Lernen in der Natur – bei jedem Wetter
Lernen in der Natur – bei jedem Wetter

Primarschule

Lernen in der Natur – bei jedem Wetter

24.02.2026

4 min.

Die Primarschulen Kradolf und Schönenberg setzen auf regelmässige Erlebnishalbtage im Wald. Vom Kindergarten bis zur Mittelstufe erleben die Kinder die Natur mit allen Sinnen, bewegen sich draussen und wachsen als Gemeinschaft zusammen.

Schon früh am Morgen ziehen die Klassen der Primarschulen Kradolf und Schönenberg los, hinein in den Wald. Rund dreieinhalb Stunden verbringen sie draussen – im Sommer wie im Winter, bei Regen und bei Sonnenschein. Für die Schönenberger Schulleiterin Jacqueline Gasser gibt es kein schlechtes Wetter: «Die Natur ist ein hervorragender Lernort, denn draussen zeigt sich Lernen in seiner unmittelbarsten Form.»

Bereits im Kindergarten gehört der regelmässige Waldmorgen seit vielen Jahren zum festen Bestandteil des Unterrichts. Die jüngsten Kinder erleben den Rhythmus der Jahreszeiten im Wechsel von Licht, Temperatur und Gerüchen besonders intensiv. Sobald sie älter werden, wachsen die Strukturen mit: Die Erst- und Zweitklässler und neu auch die 3./4. Klassen gehen einmal im Monat in den Wald. Auch die Ältesten der Primarstufe pflegen Naturtage mit Exkursionen und Unterricht im Freien.

Im Wald entstehen Situationen, die kein Klassenzimmer bieten kann. Wenn plötzlich Regen einsetzt, stellt sich die Frage, wo ein schützendes Dach entstehen könnte – und wer dafür welche Aufgabe übernimmt. Solche Momente wirken als natürliche Motivation: Es ist sofort sichtbar, dass etwas getan werden muss, und die Kinder übernehmen Verantwortung mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Am Feuer kommen die Gruppen zusammen, wärmen die Hände, rösten Maroni oder erzählen, was sie entdeckt haben. Die unebenen Böden fordern die Beweglichkeit, die unterschiedlichen Geräusche schärfen das Zuhören, und selbst das Riechen und Schmecken wird zu einem Teil des Lernens.

Besonders geschätzt wird die Unterstützung von Pensionär Erich Gasser, der den Klassen mit viel Erfahrung und Naturwissen zur Seite steht. Für die Kinder ist er eine Art lebendiges Nachschlagewerk, für die Lehrpersonen eine wertvolle Ergänzung. Er zeigt Pflanzen, erklärt Spuren oder hilft mit, wenn eine Konstruktion noch nicht stabil genug ist.

«Im Wald passieren Lernmomente, die man nicht planen kann – und gerade darum sind sie so wertvoll», so Jacqueline Gasser. Wer den Kindern am Ende eines solchen Vormittags begegnet, sieht Schuhe voller Erde, Jacken, die nach Rauch duften, und Augen, die von Abenteuern erzählen. Die Erlebnishalbtage haben dann wieder einmal gezeigt, wie kraftvoll Lernen wird, wenn die Natur selbst zur Unterrichtspartnerin wird.

Denise Balsiger
Lehrerin

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