30.09.2026
1 min.
Was bedeutet es, in einem völlig neuen Kulturkreis Fuss zu fassen? Habibullah H. und sein Sohn Matin aus Afghanistan berichten, wie sie in der Schweiz eine neue Heimat gefunden haben. Sie erzählen von ihrem Neuanfang, von der Bedeutung der Schule und von ihrer grossen Dankbarkeit für die Herzlichkeit der Menschen, denen sie hier begegnen.
Seit dem Sommer 2026 lebt die afghanische Familie von Habibullah H. im Durchgangsheim Kradolf. Während die beiden jüngeren Kinder noch nicht eingeschult sind, besuchen Matin und seine Zwillingsschwester seit Kurzem die 5. Klasse des Schulhauses Auholz. Für die Rubrik «Fremde Heimat» im Magazin «iblick» erzählen Vater und Sohn von ihrem Leben in der Schweiz, der Schule und ihren Hoffnungen für die Zukunft. Hier die komplette Fassung des Interviews:
Habibullah,
wie lange leben Sie bereits in der Schweiz?
Habibullah: Im
November sind es fünf Jahre. Wir sind 2021 in die Schweiz gekommen und haben
zuerst vier Jahre in Weinfelden gelebt. Seit dem Sommer 2026 wohnen wir im
Durchgangsheim Kradolf.
Wie gefällt
Ihnen unsere Region? Was hat Sie überrascht?
Habibullah: Die
Schweiz ist ein wunderschönes und sehenswertes Land. Die Menschen sind
freundlich und die Natur ist beeindruckend. Besonders gefällt mir, wie
respektvoll die Menschen miteinander umgehen. Das ist für mich sehr interessant
und ermutigend.
Matin, wie
hast du deinen Start im Schulhaus Auholz erlebt?
Matin: Der erste
Tag war etwas schwierig. Ich kannte noch niemanden und hatte noch keine
Freunde. In Weinfelden war das anders, dort kannten mich nach vier Jahren viele
Menschen. Inzwischen fühle ich mich aber immer wohler.
Wie leicht
fällt es dir, dem Unterricht zu folgen?
Matin: Die meisten
Fächer finde ich einfach. Am schwierigsten ist für mich Natur, Mensch,
Gesellschaft, weil es dort viele komplizierte Wörter gibt.
Was machst du
am liebsten in deiner Freizeit?
Matin: Ich spiele leidenschaftlich
gerne Fussball und bin Kadermitglied der Junioren des FC Weinfelden-Bürglen.
Ich möchte gerne Fussballprofi werden!
Habibullah,
was ist der grösste Unterschied zum Schulunterricht in Ihrem Heimatland?
Habibullah:
Afghanistan ist seit vielen Jahrzehnten von Konflikten geprägt. Besonders
schwierig ist die Situation für Mädchen, die vielerorts nicht zur Schule gehen
dürfen. Deshalb sind wir sehr dankbar, dass unsere Tochter hier die gleichen
Chancen erhält wie ihre Brüder.
Wie erleben
Sie den Austausch mit der Schule und den Lehrpersonen?
Habibullah: Sehr
positiv. Erst gestern hatten wir ein Elterngespräch. Die Lehrpersonen sind
freundlich, offen und unterstützen unsere Kinder. Dafür sind wir sehr dankbar.
Welche Werte
möchten Sie Ihren Kindern mitgeben?
Habibullah: Sehr wichtig
sind mir Respekt gegenüber älteren Menschen, Ehrlichkeit,
Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbereitschaft. Ausserdem sollen meine Kinder
lernen, für ihre Ziele zu kämpfen und anderen Menschen mit Respekt zu begegnen.
Was vermissen
Sie aus Ihrer Heimat am meisten?
Habibullah:
Afghanistan hat viele schöne Orte und eine grosse Gastfreundschaft. Früher
unternahm ich oft Ausflüge mit meiner Familie und meinen Verwandten. Wir
besuchten Sehenswürdigkeiten, assen gemeinsam traditionelles afghanisches Essen
und verbrachten viel Zeit miteinander. Diese gemeinsamen Momente vermisse ich
besonders.
Was sollten
die Menschen hier über Afghanistan wissen?
Habibullah: Die
Menschen hier kennen leider vor allem die schwierigen Seiten unseres Landes.
Afghanistan hat aber sehr viel Schönes zu bieten. Es gibt beeindruckende
Landschaften, interessante Sehenswürdigkeiten und eine Kultur, die von
Gastfreundschaft geprägt ist.
Wenn Sie den
Menschen hier eine Botschaft mitgeben könnten, welche wäre das?
Habibullah: Vor
allem möchten wir Danke sagen. Auf unserer Flucht und auf unserem Weg haben wir
in verschiedenen Ländern unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Die Menschen in
der Schweiz haben wir als besonders herzlich und freundlich erlebt. Dafür sind wir
sehr dankbar.
Was wünschen
Sie sich für Ihre Familie in den nächsten Jahren?
Habibullah: Ich
wünsche mir, dass meine Familie glücklich und ohne grossen Stress leben kann.
Wir möchten uns durch unsere eigene Arbeit und unseren Einsatz eine gute
Zukunft aufbauen. Unser grösster Wunsch ist ein friedliches und schönes Leben
für unsere Kinder.
Rahel Müller
Ressort Kommunikation